ZUSAMMENFASSUNGEN

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Wie können wir den Bedürfnissen von Patienten mit Haarproblemen gerecht werden?

Vorgetragen von: Glynis Ablon, MD, FAAD
Associate Clinical Professor UCLA, Ablon Skin Institute & Research Center, Manhattan Beach, CA, USA
  • Die Behandlung von Haarausfall ist in den USA das zweitgrößte Segment im Bereich ästhetischer Verfahren.
  • Bei Haarausfall handelt es sich um ein weit verbreitetes, behandelbares Problem, für das viele neue Behandlungen zur Verfügung stehen und entwickelt werden, die Ärzten ihren Patienten anbieten können.
  • Es gibt zahlreiche mögliche Ätiologien für Haarausfall bei Männern und Frauen und es ist wichtig, dass Ärzte die zugrundeliegende Ursache bei jedem einzelnen Patienten eruieren.

Über 70 Millionen Amerikaner, davon 28,6 % Frauen, leiden an Haarausfall. Hier ist es wichtig, dass der Arzt die Initiative ergreift und die Therapien gegen Haarausfall mit allen Patienten bespricht, da viele Patienten trotz der hohen Prävalenz fälschlicherweise glauben, dass Haarausfall nicht behandelt werden kann und daher keinen ärztlichen Rat einholen. Die Behandlung von Haarausfall ist jedoch in den USA das zweitgrößte Segment im Bereich ästhetischer Verfahren.

Der folgende klinische Ansatz wird bei der Behandlung von Patienten mit Haarausfall verfolgt:

  • Ermittlung der Art des Haarausfalls und der zugrundeliegenden Ätiologie; der Arzt sollte eine vollständige Anamnese erstellen und ermitteln, ob der Patient Medikamente einnimmt, die den Haarausfall verursachen könnten, z. B. Antidepressiva, Blutdruckmedikamente, Gerinnungshemmer oder Gichtmedikamente. Der Arzt sollte ebenfalls eine körperliche Untersuchung sowie eine Laboruntersuchung durchführen und eine Biopsie, einen Trichoscan und Mikro-/Makrofotografien in Erwägung ziehen.
  • Der Arzt sollte die Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall mit dem Patienten erörtern, verschreibungspflichtige Medikamente erläutern, Nahrungsergänzungsmittel verordnen und topische Wachstumsfaktoren, Lasertherapie, intraläsionale Kortikosteroidinjektionen sowie Transplantationen in Erwägung ziehen.
  • Haare wachsen aus Stammzellen in der Mikroumgebung der Kopfhaut (Blutgefäße, Nerven, Adipozyten), die vom Stoffwechsel beeinflusst wird. Jeden Tag verliert jeder Mensch in der Regel 100 Haare und 100 neue Haare wachsen nach. Haarausfall wie die androgenetische Alopezie wird polygen vererbt.
  • Ärzte und Forscher können dazu beitragen, die Gesundheit und das attraktive Aussehen des Haars aufrechtzuerhalten, indem sie Patienten empfehlen, die Epidermis zu schützen, Sonnencreme speziell für die Haare zu verwenden, aggressive Chemikalien, Shampoos und Färbemittel zu vermeiden, Stress zu reduzieren und ihre Ernährung durch Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index zu verbessern.
  • Die folgenden Haarwuchstherapien sind von der staatlichen amerikanischen Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration) zugelassen: Minoxidil (frei verkäuflich), Finasterid, Dutasterid, Behandlungen mit thrombozytenreichem Plasma, Spironolacton (in Kombination mit Minoxidil), Low-Level-Lasertherapie und Transplantationen. Kombinationsprodukte sind u. a. Finoxidil und biomimetische Peptide. Zu den für Haarwuchs zur Verfügung stehenden Nahrungsergänzungsmitteln gehören Nutraceuticals mit standardisierten Pflanzenextrakten und Nahrungsergänzungsmittel mit Tiefseeproteinen.

Siehe Tabelle.

Die aktuelle wissenschaftliche Forschung zu Haarwuchs-Signalwegen umfasst die folgenden Bereiche [1]:

  • Das Signal-Glykoprotein des Drosophila-Gens wingless und dem Vertebraten-Homolog integrated (Wnt).
  • Der Signalweg der MAPK (mitogenaktivierte Proteinkinase).
  • Der TGF-Beta-Signalweg.
  • Der Signalweg zwischen der Matrix und der dermalen Papille während des Wachstums von Haarfollikeln.

Das Wnt-Signalweg-Glykoprotein ist ein Signalweg der Selbsterneuerung von Stammzellen. Es bestehen jedoch onkologische Risiken im Zusammenhang mit einer chronischen Wnt-Überaktivierung. WAY-316606 ist ein gut verträglicher und spezifischer SFRP1-Antagonist zur Verlängerung der Wachstumsphase des Haarzyklus, dessen Haarwuchsstimulierung beim Menschen in Studien nachgewiesen wurde [2,3].

In weiteren neuen Forschungsvorhaben wurde Folgendes herausgestellt:

  • Dalteparin-/Protamin-Nanopartikel für die Haardicke können als Träger von Fibroblasten-Wachstumsfaktoren eingesetzt werden [4].
  • Die Neogenese wurde in Hautwunden anhand des Hedgehog-Signalwegs nachgewiesen [5].
  • Prostaglandin-Inhibitoren: Die Stimulierung des Haarwuchses durch Cetirizin wurde bei androgenetischer Alopezie nachgewiesen [6].
  • Transkriptionsfaktoren Krox20: Das Nachwachsen und die Repigmentierung von Haaren kann durch Progenitorzellen hervorgerufen werden [7].
  • Regenerative Zellen: Adipozyten (bzw. die stromal-vaskuläre Fraktion) können für Haarwuchs eingesetzt werden. „Adipocyte Lineage Cells“ unterstützen die Stammzellnische und helfen dabei, den komplexen Haarwuchszyklus anzuregen. Aus Fettgewebe abgeleitete regenerative Zellen sind eine heterogene Gruppe nicht gezüchteter Zellen, die mittels automatisierter Systeme aus Fettgewebe gewonnen werden können [8].

Es werden aktuell acht neue klinische Studien zu Alopezie durchgeführt, die Entwicklungen bei JAK-Inhibitoren untersuchen, da diese in der Behandlung von Alopecia areata, Ekzemen (Hunde), Vitiligo und in der topischen Behandlung androgenetischer Alopezie vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben [9].

Nutraceuticals mit standardisierten pflanzlichen Extrakten, u. a. Ashwagandha, Biocurcumin und Tocotrienole, gewinnen in der Behandlung von Haarausfall zunehmend an Bedeutung. Tiefseeprotein-Nahrungsergänzungsmittel sind ebenfalls verfügbar. Ärzte und Forscher konnten die Wirksamkeit vieler Botanicals bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie bestätigen.

  • Bei Beta-Sitosterol, zu finden in Saw Palmetto und grünem Tee, wurde nachgewiesen, dass es durch die Hemmung der 5-Alpha-Reduktase den Dihydrotestosteronspiegel senkt und es effektiv in der Behandlung von männlichem Haarausfall eingesetzt werden kann [10].
  • Bei oral verabreichtem Kürbiskernöl wurde nachgewiesen, dass es die 5-Alpha-Reduktase hemmt und sich damit androgenetische Alopezie effektiv behandelt lässt [11].
  • Die Wirksamkeit von Melatonin, das über entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften verfügt, wurde in der Behandlung androgenetischer Alopezie bei topischer Anwendung nachgewiesen [12].

Kernaussagen/klinische Perspektiven

  • Der Arzt sollte bei allen Patienten die Initiative bei der Besprechung von Haarausfall ergreifen.
  • Die Ursache des Haarausfalls ist vor Beginn einer Behandlung zu ermitteln.
  • Kombinationstherapien haben die höchste Wirksamkeit.
  • Bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie muss jede gewählte Behandlungsoption fortlaufend angewendet werden.


REFERENCES

Presenter disclosure(s): The presenter has reported relationships with the following company: Honoraria from Galderma Laboratories, L.P.

Written by: Daniel Bennett, MPH

Reviewed by: Martina Lambertini, MD


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